GOA II – KLEINES STÜCK PORTUGAL

24 11 2010

Anjuna mit Alt-Hippies und Moonlight-Techno-Partys ist natürlich nicht alles in Goa. So machten wir uns vergangenen Freitag mittels regionalen Kleinbussen auf den Weg nach Panjim (die heutige Haupstadt Goas), Old Goa (die alte Hauptstadt Goas) und Benaulim (ein weiterer Strandort im Süden).

Goa war über 450 Jahre in der Hand Portugals und wurde erst 1961 ein Teil Indiens. Unser erstes Ziel – Panjim – hat vom portugiesischen Flair im sog. portugiesischen Viertel etwas behalten, so targen manche Häuser, Geschäfte und Restaurants portugiesische Namen. Ansonsten können wir aus Panjim nur über unsere Erfahrungen mit der Post erzählen – dazu gleich mehr in unserem Kapitel „Auch mal lästern dürfen“. Vom ca. 10km entfernten Old Goa waren wir ehrlich gesagt wenig beeindruckt, wenngleich der markante katholische Einfluss der Portugiesen nicht zu übersehen war. Unzählige Kirchen auf geschätzten 500qm warfen die Frage nach dem Sinn der Errichtungen auf. Wollten unsere Mit-Europäer wohl Eindruck hinterlassen – erst recht mit dem Christentum? Bei der UNESCO hat es jedenfalls gefruchtet. Die Vielzahl der Kirchen auf engstem Raum stehen auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes – und das auch noch hier in Indien, wo das Christentum ansonsten ja fast keine Rolle spielt. Der Prunk der katholischen Kirche ist auch hier erhalten geblieben, obwohl die Stadt ansonsten seit 150 Jahren aufgrund verschiedener Epidemien wie ausgestorben erscheint. Insgesamt zu Goa haben wir festgestellt, dass eine tiefe Verwurzelung des Christentums vorhanden ist. Spätestens nach der Zimmersuche in Benaulim, bei der Christian über 10 Gästehäuser abgeklappert hat, um mal wieder den Zimmerpreis herunterzudrücken, sind ihm in jedem schön geschmückte, kleine und größere Altäre ins Auge gestochen. Zuhauf ist uns bei den Bewohnern das Kreuz auf der rechten Hand hinter dem Daumen aufgefallen, das die Christen hier als Zeichen ihrer Gläubigkeit bereits im Alter von 4-6 Jahren eintätowiert bekommen.

BENAULIM:
Ein irre langer und toller Strand soweit das Auge reicht mit perfektem Meereszugang. Wollt Ihr noch mehr hören? 🙂 Man kann stundenlang laufen, der Strand wird nie enger, kleiner, dreckiger, steiniger – als wäre er unendlich…. Wir haben es auf eigenen Füßen festgestellt und sind irgendwann umgedreht. Die Mühlen malen hier sehr gemächlich. Wenn nicht unser furchteinflößender Nachbar wäre, „Evil Eye“, der so kalte Augen hat, dass man echt Angst kriegen kann, würden wir einschlafen vor Tiefenentspannung. Davon hält uns in unserer Straße auch der Bruder von „Evil Eye“ ab, „Elephant Tooth“, der alle durch seine Hörner auf Distanz hält. Wir hoffen einfach, dass die Anbinde-Seile dick genug sind oder sie uns begnadigen, wenn wir ihnen mal in freier Wildbahn begegnen. In diesen Gedanken können wir uns weiterhin entspannen…

Da wir in den ersten zwei Wochen quasi unsere Akkus aufgeladen haben, um uns für unsere weitere Reise vorzubereiten, verbringen wir zurzeit unsere Tage ganz nach dem Motto „Carpe Diem“ – am Strand oder bei Schauern auf dem kleinen Balkon unseres Zimmers.Am Donnerstagmorgen geht es dann in aller Früh weiter über Margao nach Hampi – zuerst mit Rikscha, dann mit Zug.

Nach den ersten Tagen in Indien sind uns nach genauerem Hinschauen einige Dinge aufgefallen, die uns trotz aller Offenheit dem Land und den verschiedenen Kulturen gegenüber einigermaßen in Rage versetzten (festzuhalten ist: Uns gefällt es hier und wir genießen die Zeit!)..Den weiteren Teil dieses Beitrages widmen wir daher mal einigen „Aufregern“ über Indien in der Rubrik…

…AUCH MAL LÄSTERN DÜRFEN:

1. Langstrecken
Nicht genug damit, dass die Züge von Mumbai nach Goa einige Tage im Voraus ausgebucht waren – der ganze Süden Indiens scheint ständig unterwegs zu sein, und zwar mit dem Zug. Nachdem wir glücklich unser nächstes Ziel Hampi (Tempel- und Palastruinen) auserkoren, Zugtickets erstanden hatten und über unsere weiteren Ziele im Süden Indiens und die Weiterreise in den Norden fantasierten, fanden wir heraus, dass ALLE Züge in ALLE Richtungen wochenlang ausgebucht sind – ohne besonderen Grund wie Feiertage, Ferien usw.! Das andere Verkehrsmittel für Langstrecken, der Bus, ist anscheinend selten zuverlässig, äußerst unbequem und dann auch noch im Internet nicht zu buchen… So verbrachten wir annähernd einen kompletten Tag im Internetcafé und puzzelten hin und her, wie wir weiterkommen. Schlussendlich sehen wir nun leider weniger von Südindien als gehofft, werden noch einige Tage an der Ostküste verbringen und haben uns zum Nikolaus einen Flug geschenkt, der uns von Chennai nach Ahmedabad bringt, von wo aus es dann wohl leichter mit dem halbwegs spontanen Reisen wird. Das hat uns auch ein polnisches Pärchen bestätigt, das wir in Mumbai kennenlernten und das zuerst den Norden bereist haben.

2. Beamtentum
Dass ein Paket aufgeben etwas umständlicher ist als in Deutschland (wg. Zoll etc.), haben wir uns schon gedacht. Waren froh, dass die Hauptpost in Panjim groß, relativ leer und dafür voll mit anscheinend nichts tuenden Angestellten war und wir auch noch 1,5 Stunden bis zur lt. Türschild offiziellen Schließung hatten. Wir gehen also frohen Mutes mit unserer Plastiktüte voll mit Souvenirs zum ersten Schalter und fragen, wie wir denn nun vorgehen müssen, um ein Paket nach Deutschland verschicken zu können. Es folgt ein Kopfnicken in die eine Richtung mit einem knappen „Over there“. „Over there“ angekommen, antwortet die etwas missgelaunte Postbeamtin, dass das heute nicht mehr gehen würde – „it’s closed for today“. Aber wir haben doch auf dem Schild am Eingang gelesen, dass Internationale Pakete verschicken bis 17:00 Uhr geht und es ist erst halb vier? Wir fragen also, warum es geschlossen ist. „It’s closed since… (ein kurzer Blick auf die Uhr) three o’clock. You have to come back tomorrow.“ „But the sign… on the door…“ Keine Reaktion uns gegenüber mehr. Nur ein starrer Blick auf ihren Schreibtisch. Was macht man da? Steckt man der Beamtin 100 Rupien zu? Wir sind erstmal rausgegangen, haben uns aufgeregt und sind um die Ecke zu einem privaten Paketeeinwickler gegangen, der uns dann sagte, die Post habe sogar bis 20 Uhr geöffnet, wir sollten zu einem anderen Schalter gehen – „Backdoor“. Nachdem er unsere Sachen liebevoll in Papier eingepackt und händisch in den obligatorischen Stoff eingenäht hatte, schließt er sogar kurzerhand seinen Laden ab und bringt uns zur richtigen Stelle, wo wir dann auch glücklich unser Paket loswerden. Außerdem gibt er uns noch den gut gemeinten Rat, in Indien immer den Pass oder zumindest eine Kopie dabei zu haben. „Be careful! India has its own rules.“

3. Die lieben Rupien:
Beschissen wird man ständig und immer, wenn man nicht genau aufpasst. Und selbst dann kann man manchmal nichts dagegen machen. Beispiel für das zweite ist unsere Busfahrt von Margao nach Benaulim. Im Bus hängt ein Schild, dass die Fahrt 7 Rupien kostet. Wir drücken dem Geldeinsammler einen Zwanziger in die Hand und warten auf unser Wechselgeld. Das kann manchmal etwas dauern, wenn dies gerade nicht parat ist. Eine alte Dame direkt vor uns hat irgend ein paar Münzen wiederbekommen, nachdem sie mit 10 Rupien zahlte. Kurz vorm Aussteigen haben wir es aber immer noch nicht wieder. Folgender Wortwechsel: „Sorry, how much is it for two?“ – „Twenty.“ – „But it’s only 14, see the sign!“ – „No, it’s twenty.“ Und raus sind wir und der Bus ist weg. Da ist man machtlos. Gut, es geht hier nur um 10 Cent, aber es ist einfach so eine Verarschung! In anderen Beispielen reicht Aufpassen und man hat noch eine Chance. So wollte der Hostelbesitzer in Anjuna bei seiner Summierung der verbliebenen Schulden für die Übernachtungen auf einmal 50 Rupien mehr. Einfach so. Man kann’s ja versuchen. Im Zug versuchte ein Wasserverkäufer sein Glück bei einer anderen Touristin gleich zweimal, indem er ihr zweimal falsches Wechselgeld raus gab – sie aber rechtzeitig nachzählte. Bei unserer Rollertour durch den Norden wies uns unser Hostelbesitzer darauf hin, dass Polizeikontrollen üblich sein – und dass man, egal, ob man sich ausweisen und sonst alles regelkonform wäre, mindestens 200 Rupien abdrücken müsste. „The police calls it taxes, but it’s corruption.“ Zum Glück blieben wir davon verschont. Goa muss laut unserem Hotelbesitzer die höchsten „Taxes“ zahlen, da die Polizei auch was am Tourismus verdienen möchte.

4. Der Müll und dessen „Entsorgung“:

Über dieses Thema können wir uns sicherlich seitenweise mit Beispielen auslassen. Ist ein Thema, dass wohl ganz Indien niemals bewältigen wird. Die Unterkünfte stellen Mülleimer zur Verfügung. Als wir das Zimmermädchen unserer Unterkunft fragten, was sie mit dem Müll machen wird, antwortete sie, sie würde ihn wohin werfen… nichts Genaueres dazu. Überall sieht man „offene“ Müllhalden, die von irgendeinem mal irgendwann geschaffen wurden – gerne auch des Öfteren am Straßenrand. Am Strand ernähren sich zum Teil die „heiligen“ Kühe und streunenden Hunde vom
Weggeworfenen. In ganz Mumbai findet man keinen Mülleimer auf offener Straße – vermutlich hauptsächlich wegen der Terrorgefahr. Wir haben keine Ahnung, was wirklich mit dem Müll passiert. Vielleicht wollen wir es auch gar nicht wissen?! Im Zug werden die leeren Wasserflaschen, Dosen usw. aus dem Fenster geworfen. Demnach sehen auch die Schienenstreifen aus. Das alles macht einen schon nachdenklich und sucht nach Lösungen für unsere eigene Müllbeseitigung. Nach Deutschland würden wir unseren ja gerne schicken, wenn nicht diese korrupten Postbeamten wären… Eine für unser Gewissen akzeptable Lösung haben wir bei unserer ersten Zugfahrt gesehen. Eine Touristen hat in regelmäßigen Abständen einen Becher Chai (Tee) während der Fahrt gekauft. Wir haben uns nach einigen Minuten gewundert, wo denn der leere Pappbecher geblieben sei. Ab dem nächsten Becher Chai hatten wir die Touristin fest im Blick. Wenige Minuten später hatte sie ihn schon geleert und…. sie stellte ihn einfach auf den Rand des offenen Zugfensters. Durch den Fahrtwind des Zuges hat es nur wenige Augenblicke gedauert und der Becher wurde von eben diesem Fahrtwind „raus getragen“ und „entsorgt“ und nicht direkt von der Touristin. Wir wollen bei unserer nächsten Zugfahrt auch mal einen Becher Chai trinken… In Benaulim wird Laub gepaart mit Plastik offensichtlich mit Vorliebe zusammen verbrannt. Zum Teil stinkt es fürchterlich beim Passieren des an der Straße qualmenden Feuers oder der Gestank zieht gleich in unser Schlafgemach.

Mit der Zeit folgen sicherlich noch weitere positive wie negative Eindrücke und wir freuen uns auf die Weiterreise!



GOA – ALT-HIPPIES, KUEHE AM STRAND UND TECHNO

18 11 2010

Unsere ersten Tage in Goa liegen hinter uns und der Kulturschock zu Mumbai ist kaum in Worte zu fassen… Aber erstmal der Reihe nach.

ZUGFAHRT:
Am Samstag morgen ging’s früh um sechs zum Bahnhof in Mumbai – zum Glück nicht weit zu laufen, aber der Weg hat gereicht. Denn zu dieser frühen Stunde ist das Elend in den Straßen doch noch greifbarer – man muss quasi aufpassen, dass man nicht drauf tritt. Die Bürgersteige und Hauseingänge sind gepflastert von schlafenden Obdachlosen.
Auch der Bahnhof sah nicht besser aus. Nach einiger Zeit hatten wir in dem wirren Chaos unseren Zug ausfindig gemacht, der uns nach Goa bringen sollte. 12 Stunden in der Sleeping Class. Der zweiten (von unten) von insgesamt 7 Klassen. Mit der Wahl waren wir im Nachhinein echt zufrieden. Man hat reservierte Plätze (auf die man im Notfall bestehen muss, weil die Inder es oft nicht sooo genau damit nehmen), Ventilatoren und es ist nicht so eng wie in der untersten Klasse. Über der Sleeping Class kommen dann die „besseren“ mit Klimaanlage und sonstigen Annehmlichkeiten, die aber weitaus teuerer sind. Sleeping Class übrigens deshalb, weil die Sitze nachts zu drei übereinander befindlichen Liegen umgebaut werden. Tagsüber sitzt man zu sechst im „Abteil“. Langweilig wird einem nicht, da ständig Händler durch den Zug laufen, lauthals Chai (Tee) sowie andere Leckereien verkaufen. Wir fühlten uns 12 Stunden lang wie auf einem wandernden Lebensmittelbasar. Die Gerüche haben uns zum Teil das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Mit dem Konsum haben wir uns noch zurück gehalten, aber einmal konnten wir doch nicht widerstehen und haben unheimlich leckere Gemüseteigtaschen in Zeitungspapier serviert gegessen – die zum Glück auch drin geblieben sind. Die Toiletten in diesen Sleeping Classes sind nicht wirklich für magenschwache Leute geeignet…
Neben dem abwechslungsreichen Ausblick hatten wir auch noch Glück mit unseren Abteilgefährten – 4 Goaner um die Anfang zwanzig. Mit ihnen kamen wir nach ein paar Stunden Fahrt ins Gespräch und haben einiges über Indien allgemein, Goa und Konkani (die Sprache der Goaner) erfahren. Das Ende der Geschichte ist, dass wir uns auf Facebook kontaktieren werden, wir ein paar Häppchen Goanisch und die Jungs ein paar Worte Deutsch gelernt haben. Alles in allem tat der Hintern zwar nach unserer ersten Zugfahrt weh, aber es war dennoch kurzweilig und wird sicherlich unser bevorzugtes Verkehrsmittel in Indien werden.

GOA:
Goa ist bekannt als absolutes Hippie-Paradies bis Ende der 80er Jahre. Einige Überbleibsel aus vergangenen Jahren sind an jeder Ecke zu finden – die Zeit scheint stehen geblieben beim Anblick der verzottelten Alt-Hippies, die sich hier ganz niedergelassen haben oder jedes Jahr für einige Monate wiederkommen. Abgelöst wurden die Hippies von den Techno-Freaks – so waren in den 90ern ausufernde Techno-Parties am Strand an der Tagesordnung (manchmal auch noch heutzutage). Seit einigen Jahren ist einigermaßen Ruhe eingekehrt in Goa, dank des stärkeren Durchgreifens von Staat und Polizei. Doch nach wie vor zählt Goa zu einem der reichsten Staaten Indiens und sicherlich auch einem der offensten und modernsten. Hier ist die Zahl der Touristen ungefähr so groß wie die der Einheimischen und es herrscht wenig bis keine Armut. Man kann sogar standardmäßig Toilettenpapier kaufen und Bikinis am Strand sind keine Seltenheiten (auch wenn die meisten indischen Frauen in voller Montur in ihrem Sari ins Wasser steigen).

In Goa hatten wir uns zunächst für das im Norden liegende Städtchen Anjuna entschieden, das wir nach einer wilden Taxifahrt mit viel Gehupe, tiefen Schlaglöchern auf der Straße und halsbrecherischen Überholmanövern am späten Abend erreichten. Nachdem wir am Sonntag nochmals umgezogen sind (die erste Unterkunft war ziemlich bescheiden, überteuert und schlecht gelegen), wohnen wir jetzt 70 Meter vom Strand entfernt für knapp 5 Euro die Nacht. Unzählige Restaurants und Straßenshops säumen den Strand und das Geschehen rund um unser neues Schlafgemach, das aber trotzdem relativ ruhig ist. Von den Moskitos und schabenden Kakerlaken abgesehen sind wir hoch zufrieden. Die Moskitos können wir mit Netz und Spray einigermaßen in Schacht halten. Für die Kakerlaken haben wir noch kein Mittel gefunden und stellen den Ventilator einfach eine Stufe höher, um das nächtliche Schaben zu übertönen.
Den Tag kann man perfekt mit Sonnen, Schwimmen, Schlafen, Essen, Trinken und Kühe beobachten verbringen. Der Strand ist sehr schön und das Arabische Meer einfach unglaublich warm. Abgesehen von den einfach überall umher laufenden indischen Touristen (werden wohl von der aufstrebenden Mittelschicht sein) am Strand, die „Bleichgesichter“ wie uns regelmäßig um ein Foto mit ihnen bitten oder einfach hinterher knipsen oder auch die Kühe und Hunde, die einem ständig versuchen, etwas wegzunaschen (heute hat eine Kuh z.B. meinen Früshstückskaffee weggeschlürft!!!), fühlen wir uns in Anjuna sehr wohl. Getrunken wird übrigens überwiegend Kingfisher Beer – vielleicht kommt der Name dem einen oder anderen bekannt vor: Ja, dem guten Besitzer gehört auch die Airline, mit der wir von London nach Mumbai geflogen sind! Bier ist hier so einfach und billig zu haben wie nirgendwo sonst in Indien (ca. 70 Cent). Unseren ersten Feny (goanischer Cashew-Schnaps, der hier mit Tequila verglichen wird) hat uns den ersten kleinen Rausch eingebracht. War ein schöner Abend…

Wenn wir das oben Erwähnte nicht tun, verhandeln wir mit den Straßenhändlern um die ein oder andere Rupie. Egal, was wir als ersten Preis anbieten, wir bekommen immer ein „Are you killing me?“ zu hören. Das macht einen Heidenspaß und hat uns gut auf den in ganz Goa berühmten „Anjuna Market“ vorbereitet, der jeden Mittwoch hier stattfindet. Nach zähen Verhandlungen haben wir hier unsere ersten Souvenirs erstanden und sind ganz zufrieden mit dem (Verhandlungs-)Ergebnis. Kristin ist besonders stolz auf ihre erste „Alibaba-Hose“. Wir mutierten noch zu besten Einkäufern, wenn nicht die Reisekasse und der Platz in den Rucksäcken limitiert wären.

Trotz des anarchischen Fahrstils der Inder haben wir uns für 24h getraut, einen Roller zu mieten um so die nördlichere Gegend ein wenig erkunden zu können. Nach einer gewissen Gewöhnungszeit konnte auch Kristin hinten drauf die Fahrt genießen und hat sich mit ihren „VORSICHT“-Rufen und wilden Zuckungen zurückgehalten.

Nachdem wir fast alle Restaurants durchprobiert und für ausgesprochen gut befunden haben, machen wir uns morgen auf den Weg nach Panjim und Old-Goa, um nach einigen kulturellen Besichtigungen noch einige Tage am Strand im südlicher gelegenen Benaulim dran zu hängen.



MUMBAI IN 2,5 TAGEN

12 11 2010

Unser Aufenthalt in Mumbai hatte sich ja doch um 2 Tage verlängert. Somit mussten wir nach der ersten Nacht unser Hotel wechseln, weil das erste ausgebucht war.

Unser Reiseführer spricht vom Eindruck des “chronischen Platzmangels” in Indien – das können wir aus vollem Herzen bestätigen. In wenigen hundert Jahren wurde aus einem Fischerdorf die 16 Mio. Einwohner-Metropole, in die täglich ca. 500 weitere Flüchtlinge strömen. In der Rush-Hour reicht der Platz auf dem Bürgersteig nicht für alle Passanten, sodass die Straße mit belagert werden muss.
Man könnte sich den ganzen Tag mit “gucken” beschäftigen und hätte trotzdem noch nicht alle Eindrücke erfasst: Traditionell gekleidete Hindus, Moslems und andere Religionsrichtungen, Turbane, Schleier, Bettler, Straßenkinder, auf dem Gehweg liegende Kühe, abgemagerte Straßenhunde, Pferde, dauernd hupende Autos, Rikshas, Fahrräder, Straßenstände, die ganzen Slums, koloniale Bauten und und und. Dazu kommen die unterschiedlichsten Gerüche. Du erlebst den feinsten Curry-Geruch und an der nächste Ecke der Gestank einer Kloake wie du ihn noch nie in der Nase hattest – manchmal auch beides zusammen. Der ständig vorhandener Geräuschpegel durch Motorenlärm und Hupen und eine Hitze, die eigentlich zehnmal pro Tag eine Dusche erfordert. Dazu kommen die Straßenkinder, Bettler und Straßenhändler, die sich dauernd bei dir um die ein oder andere Rupie bemühen. Das Ganze kann anstrengend sein, gerade wenn du stehst, um ein Foto zu schießen oder einen Blick in den Reiseführer zu werfen. Auf der anderen Seite ist die Stadt faszinierend durch ihr Facettenreichtum.

Einige Eindrücke haben wir versucht, auf den Fotos einzufangen (die ersten sind in Fotoalben). Dazu kommen die touristischen Sehenswürdigkeiten, die wir nach und nach abgeklappert haben. Echt beeindruckend neben den riesigen Bauten aus der Kolonialzeit wie dem Victoria Terminus (von dem wir morgen aus nach Goa fahren werden) waren die Dhobi Ghats – ein eigenes für die Wäscher angelegtes Viertel. Aus der gesamten Stadt wird Schmutzwäsche hierhin gebracht und von den Bewohnern in großen Betonbecken gewaschen. So urzeitlich das klingen mag und auch aussieht, dahinter steckt ein beeindruckendes System.

Besonders interessant ist aber einfach diese indische Mentalität. Wo viele Menschen sind, wird die Arbeit halt geteilt. Im Hotel hat jedes Stockwerk mindestens 2 Pagen, die auf der Treppe rumhängen, dazu einen Aufzug-Boy und unzählige Angestellte an der Rezeption. Es zählt dann auch nicht, dass der Aufzug vielleicht gerade mal für 3 Leute reichen würde. Neben dem Aufzug-Boy fährt einer von der Rezeption mit, der die Gäste dann in ihrem Stockwerk an den nächsten Pagen “übergibt”. Und so ist es überall zu beobachten. An Baustellen hat quasi jeder Stein seinen eigenen Bauarbeiter, der ihn an die richtige Stelle setzt. Im Restaurant gibt’s unzählige Kellner, jeder mit einer eigenen Aufgabe – der eine putzt die Tische, der nächste nimmt die Bestellung auf, der dritte bringt das Essen usw.
Mit einem kurzen “Namaste” zur Begrüßung wird man gleich freundlich behandelt. Das darauf folgende Kauderwelsch aus Hindi, Englisch und Unergründlichem begleitet von dem für uns obligatorischen Kopfwackeln ist oftmals schwer zu deuten. Aus der Nummer kommt man dann wiederum mit einem freundlichen “Namaste” raus.

In diesem Sinne “Namaste” Mumbai, morgen geht’s nach Goa mit dem Zug. Sind schon gespannt auf das 12h-Abenteuer und auf die hoffentlich einkehrende Ruhe bei den Hippies in Goa.



MUMBAI – ERSTES LEBENSZEICHEN

11 11 2010

Nur kurz: Sind gut angekommen. Unser urspruenglicher Plan, Mumbai sofort wieder zu verlassen, hat leider nicht funktioniert, da die Zuege in alle Richtungen einige Tage ausgebucht sind. Nix mit spotanem Reisen in Indien… Daher freunden wir uns nun bis Samstag morgen mit Mumbai an – es ist zwar laut und es gibt einfach unendlich viele Menschen, aber es laesst sich aushalten und unsere schlimmsten Befuerchtungen haben sich bei weitem nicht bestaetigt! Einige spannende Dinge haben wir schon kennengelernt, aber davon wahrscheinlich morgen mehr, zusammen mit den ersten Fotos…