OTAGO & CANTERBURY – FEIERTAGE, CAMPERVERKAUF UND ERDBEBEN

22 01 2012

LAKE TEKAPO:
Auf dem Weg von der Ostküste südlich von Christchurch zum höchsten Berg Neuseelands, dem Mount Cook, passierten wir den Lake Tekapo. Hier hatten wir uns mit Melanie und Marco verabredet, unserem befreundeten deutschen Pärchen, um gemeinsam die Weihnachtsfeiertage zu verbringen. Die beiden hatten einen äußerst netten Platz am Ufer des Sees gefunden, an dem wir unsere Camper und uns ungestört ausbreiten konnten. Es gab unglaublicherweise sogar eine Toilette: Jemand hatte ein Campingklo in die Wildnis gesetzt und zu einem einfachen WC mit Bodenloch umfunktioniert – eine Plane davor und fertig ist der Komfort! 🙂
Der Lake Tekapo sowie seine umliegenden Nachbarn zeichnen sich durch eine Besonderheit aus: Bei Sonnenschein haben sie eine einzigartig türkise Farbe. Dies kommt durch das herein strömende Gletscherwasser im Zusammenhang mit dem feingeschliffenem Felsenuntergrund zustande. Umgeben von den Ausläufern der Southern Alps feierten wir hier Weihnachten mit schönem Wetter, richtigem Weihnachtsschmuck, gutem Essen, dem ersten Sekt seit über einem Jahr, jeder Menge anderer leckerer Getränke und sogar einer kleinen Bescherung: Wir beide waren nach spannenden Würfelspielminuten stolze Besitzer einer Dose Bohnen sowie einer Tüte Chips, die dann mit der Schokolade und der Rolle Klopapier der beiden anderen geteilt wurde… 🙂 Eine ganz richtige Weihnachtsstimmung kam nicht auf, dafür fehlen dann doch zu viele Traditionen, der Winter und natürlich die Familien. Aber zum Glück hatten wir guten Handyempfang und konnten somit wenigstens kurz live an den Feierlichkeiten zu Hause teilhaben!
Zudem nahm Christian mit Unterstützung von Marco die Aufarbeitung des Unfalls auf. Nachdem wir noch immer kein Geld der Vermietungsfirma des anderen Fahrzeugs sahen und auch keine Lösung in Aussicht stand, entschieden wir uns unseren Camper ohne Werkstatt verkaufsfertig zu machen. Nach Entrostung – soweit möglich -, Spachteln und Abschleifen folgte der Anstrich. Dabei nahm sich Christian die anderen rostigen und farblosen Stellen des Campers gleich mit vor…

MOUNT COOK:
Unser nächstes Ziel nach Weihnachten war der Mount Cook. Die Fahrt dorthin war eigentlich das Beste, denn der Berg präsentierte sich mit seinen kleineren Geschwistern bei schönstem Sonnenschein aus der Ferne und ab und zu sogar gespiegelt in den türkisen Seen. Auf einer kleinen Wanderung näherten wir uns dem Mount Cook. Dabei konnten wir auch das martialische Donnern einer abbrechenden Eiswand hören, leider aber nicht sehen. Nach einer weiteren kurzen Wanderung mit Ausblick auf Gletscher, Gletscherfluss und Berge an einem See, machten wir uns dann aber weiter auf den Weg Richtung Südosten.

OMARAMA RODEO & SILVESTER:

Auf dem Weg kamen wir an dem kleinen Ort Omarama vorbei und hatten Glück an einem in anderen Städten öfters schon beworbenen Event teilnehmen zu können: Genau an diesem Tag fand hier das große jährliche Rodeofest statt! Wir fieberten beim Tonnen reiten, Kälber fangen – per Hand vom Pferd wie auch mit Lasso – und beim absoluten Highlight, dem Bullenreiten, mit. Nicht nur einmal war es wirklich knapp und die riesigen Bullen hätten ihren Reiter sowie die umherlaufenden „Lockvögel“ umgerammt oder aufgespießt.
Auf einem ruhigen Campingplatz in der Nähe von Oamaru verbrachten wir mit Melanie und Marco Silvester. Wir hatten uns eine ganz besondere Beschäftigung ausgedacht, um die Zeit am Silvestertag zu überbrücken: Es gab Lammbraten, der auf unserem Campingkocher in einer selbst gebastelten Pfanne aus Alufolie fünf Stunden vor sich hinköchelte, bis er vom Knochen fiel. Dazu Bruscetta als Vorspeise und eine Gemüsepfanne, leckere Bowle sowie Bier und die Zutaten für einen schönen Abend waren komplett! Der Lammbraten ist übrigens äußerst gut gelungen und ist bereits in den TOP 10 der Reise-Mahlzeiten bei „BEST OF / WORST OF“ aufgenommen :-). Um kurz nach zwölf Uhr gab es dann mangels Blei noch Wachsgießen, um zu sehen, was uns das Jahr 2012 so bringen wird.

OAMARU:
Oamaru an der Ostküste zwischen Dunedin und Christchurch hat für neuseeländische Verhältnisse überraschend viele schöne und alte Bauwerke aufzuweisen. Im Künstlerviertel gib es zudem unzählige Galerien und Ausstellungen, in denen man sich bestens den Tag vertreiben kann. Einen spontanen Besuch legten wir bei einer Whiskeybrennerei ein – genau das richtige für Melanie und Christian, die eine Whiskeyprobe mit vier verschiedenen Sorten machen konnten. Außerhalb Oamarus befinden sich die Moeraki Boulders. Dabei handelt es sich um murmelartige Steinformationen, die bei Ebbe am Strand sichtbar werden.
Nach zehn gemeinsamen Tagen trennten sich dann unser Weg von Melanie und Marco. Für uns ging es nun Richtung Christchurch und wir bereiteten uns so langsam auf die letzten Campertage vor.

BANKS PENINSULA:

Einen letzten Abstecher machten wir noch zur Banks Peninsula, einer über tausend Quadratkilometer großen Halbinsel östlich von Christchurch im Staat Canterbury. Es führt nur eine Hauptstraße über den Ort Little River dorthin. Danach fuhren wir, um die Halbinsel komplett zu sehen ,über eine höher gelegene Straße weiter. Leider hatten wir auf der Höhe kein Glück und hatten bei trübem Wetter und überwiegend Nebel keine Chance die grüne, hügelige Landschaft mit den einzelnen Buchten in ihrer Ganzheit betrachten zu können. Im größten Ort Akaroa hielten wir uns zwei Tage auf. Dieses Städtchen ist geprägt durch den Einfluss der ersten französischen Einwanderer in Neuseeland. Die Straßen sind gesäumt von französischen Flaggen, kleinen Häuschen und bunten Blumengärten.

CHRISTCHURCH:
Bei der ersten Fahrt durch Christchurch herrschte bedrückende Stimmung: Überall sind die Spuren der starken Erdbeben des letzten Jahres sichtbar. Steilhänge mit wunderschönen Wohnsiedlungen sind nicht mehr bewohnbar, die Häuser teilweise komplett abgestürzt. Ganze Stadtviertel sind verlassen und wie leer gefegt. Manche Straßen inner- und außerhalb der Stadt sind einzige Wellenfahrten auf provisorisch geflickten Asphaltteppichen. Das gesamte Stadtzentrum inklusive der „Christchurch“ ist über circa einen Quadratkilometer nicht zugänglich. Und ein Ende ist nicht in Sicht, wenngleich es Meldungen gibt, dass an einer weiteren Freigabe der gesperrten „Roten Zone“ gearbeitet wird. Alle paar Monate gibt es ein neues schweres Beben und dazu täglich durchschnittlich zehn kleinere (d.h. unter fünf auf der Richterskala). Wer mehr wissen möchte, kann einen Blick auf die folgene, äußerst informative Homepage werfen:
www.christchurchquakemap.co.nz
Bewundernswert sind die Bewohner, die das beste aus der tragischen Lage der Stadt machen. Da die komplette Einkaufszone der Innenstadt zerstört ist, wurde vor längerem bereits kurzerhand ein neues Shopping-Zentrum mit dem vielversprechenden Namen „Re:Start“ geschaffen – bestehend aus Läden und Cafés in umfunktionierten Schiffscontainern. Neue Stadtpläne mit der sogenannten „Roten Zone“ gibt es auch.
Die fast täglichen Beben, die wir in unserem Hostel in New Brighton am Stadtrand von Christchurch miterlebten, verglich Christian mit einem an seinem Elternhaus vorbeifahrenden Güterzug – zumindest bei Beben bis vier auf der Richterskala. Das Knacken im Haus, das vorausgeht und das Gefühl, dass hier etwas wirklich Mächtiges am Werke ist, machte allerdings den gewaltigen Unterschied in unserer Gefühlslage zu einem harmlosen Güterzug. Unser heftigstes Beben eines Nachts hatte 5,1 und wir sind froh, nicht noch stärkere miterlebt zu haben. Die Zeit in dieser einst sicherlich sehr attraktiven Stadt mit seiner schönen Umgebung gestaltete sich für uns eher unheimlich.

Unser Aufenthalt in Christchurch war anfangs natürlich von dem Camperverkauf bestimmt. Denn dies sollte unsere letzte Station vor dem Flug nach Chile sein. Glücklicherweise hatten wir die Zeit zum Verkauf ganz gut abgepasst. Es ist Sommer und Hauptsaison auf der Südinsel. Viele Langzeitreisende treffen täglich aus Europa hier ein und haben vor allem eins im Kopf: Autokauf, um das Land möglichst unabhängig bereisen sowie schnellstmöglich Christchurch verlassen zu können! Auf unsere Internetanzeige meldeten sich einige Interessenten und gleich das zweite Pärchen verliebte sich auf den ersten Blick in unseren Fibi. Sie waren sogar so Hin und Weg, dass sie das Verhandeln anscheinend vergaßen und wir unseren Fibi zwar schweren Herzens und schneller als erwartet, aber dafür mit reichen Taschen verließen… 🙂 Zu allem Glück konnten wir auch eine Einigung beim Unfall finden und die Autoverleihfirma überwies uns einen Abschlag des Unfallschadens.
Nach dem Verkauf blieben uns bis zum Abflug noch 12 Tage. Ein näheres Vorverlegen des Fluges war nicht möglich. So verbrachten wir diese Zeit in New Brighton, einem ruhigen und gemütlichen Vorort von Christchurch direkt am Strand gelegen. Hier fand am letzten Wochenende ein Sandburgenbauwettbewerb statt, bei dem tolle Skulpturen wie z.B. Zeus, Seehunde, eine Schildkröte und eine Burg mit Drachen aus bloßem Strandsand geformt wurden.
Im Hostel genossen wir den Luxus der täglichen Dusche (und zwar mit heißem Wasser!), dem „Besitz“ eines Backofens sowie Kühlschranks, eines großen Zimmers sowie perfektem Internetzugang in der Bücherei mit direktem Blick aufs Meer und konnten uns so in Ruhe auf den bevorstehenden Kontinentalwechsel vorbereiten.

ABSCHIED:
Nach ziemlich genau fünf Monaten in Neuseeland steigen wir nun also in den Flieger nach Südamerika. Dieses kleine Land hat eine große Bedeutung auf unserer Reise eingenommen. So hatten wir einfach eine tolle und unabhängige Zeit in unserem Fibi-Camper und konnten zudem dank unserer Working-Holiday-Visa Arbeitsluft schnuppern. Wir sahen so viele einmalige Naturschauspiele, dass wir oft gar nicht aus dem Staunen herauskamen. Außerdem war auch kein Land mit so viel persönlicher Aufregung verbunden: Wir landeten in Auckland und alles war voll Fragezeichen: Was machen wir? Liegt unser Fokus hier auf der Arbeit oder beim Reisen? Bleiben wir im Hostel, kaufen uns einen Camper oder suchen uns sogar eine Wohnung? Wie lange bleiben wir hier? Und was kommt dann – die Heim- oder Weiterreise? …??? Am Ende jedes Ereignisses war das Glück auf unserer Seite und wir sind absolut froh mit dem Verlauf unseres Neuseelandaufenthaltes. Die Jobs zu Beginn füllten die Reisekasse wieder auf, so dass wir beschlossen, die Zeit hier nur noch durch Reisen zu genießen und nicht durch weitere Arbeit in die Länge zu ziehen. Über die Zeit in unserem Fibi haben wir wohl schon genug geschwärmt – einfach unvergesslich und für immer ein besonderer Platz in unserem Herzen!!! 🙂 Aus diesem Grund widmen wir ihm auch ein eigenes Fotoalbum.
Und irgendwann war dann auch klar: Das hier war noch nicht das Ende, sondern wir möchten die Runde auf dem Erdball voll machen und einige Monate in Südamerika verbringen. Besonders freuen wir uns nun wieder auf die Andersartigkeit in Bezug auf die Kulturen und das Leben an sich. Denn auch wenn Neuseeland aufgrund seiner Lage und Natur einzigartig ist – es ist kulturell doch europäisch geprägt und wir sind nochmal bereit für „echte“ Abenteuer! 😉